Snapshots of 3500 km

Hanni • 6. Februar 2023

Ein ganzer Kontinent


Wir sind in 13 Tagen 3500 Kilometer gefahren – die australische Ostküste entlang, zuerst mit einem kleinen Mietwagen und einem Zelt, dann mit einem Campervan, den wir für eine Autovermietung zurückgebracht haben (dümmste Idee überhaupt).


Da wir so viel erlebt haben, dachte ich mir, ich packe es in Augenblicke, die diese Reise am besten beschreiben.

Zunächst stellte sich die Frage: wie bereist man ein Land, in dem man von einer Stadt zur nächsten 16 Stunden braucht? Und wie macht man das, ohne unendlich viel Geld auszugeben? Zeit ist gleich Geld, also war klar, dass wir nicht wochenlang herumfahren konnten. Und nach unseren ersten beiden Wwoof-Stationen war uns auch klar, dass man zwar unglaublich viel erlebt und die australische Kultur auf sehr interessante Weise kennenlernt – dass man aber die größeren Orte alle nicht sehen wird. Denn es gab erstens genug Arbeit auf den Farmen, zweitens hatten wir kein Auto und drittens hatten unsere Hosts unterschiedliche Vorstellungen, was in ihrer Region sehenswert ist ☺.


Augenblick „Camping-Idee“


Also haben wir festgestellt, dass es außerordentlich doof war, unsere gesamte Campingausrüstung im Lager in Jesenwang bzw. in meinem alten Kinderzimmer in Neuried zurückzulassen und machten uns auf Shoppingtour durch die Campingausrüster von Cairns. Ein Mini-Zelt (ich verfluche Tobi jedes Mal, wenn wir drin liegen und uns nicht umdrehen können ohne den anderen aufzuwecken), das er gekauft hat, als ich Essen gesucht habe, und zwei aufblasbare Isomatten (ich bin Tobi jedes Mal dankbar, diese teurere Variante genommen zu haben, sie sind platzsparend und bequem), die wir nach langer Diskussion zusammen gekauft haben. Die Idee zu campen schien uns bei 30-40 Grad Außentemperatur eine gute Idee, wir hatten schließlich immerhin unsere Hüttenschlafsäcke dabei.


Augenblick „Nasses Zelt“


Erster Abend, wir waren eine gute Strecke endlich raus aus Cairns gefahren, das uns über Weihnachten und Silvester und Covid fest im Griff hatte. Und es schüttete in Strömen, hatte auf ca. 20 Grad abgekühlt und das Ende vom Tag war, dass ich im Bikini das Zelt aufgebaut habe, während Tobi Regenschirme über das Innenzelt gehalten hat, damit wir dann trocken schlafen konnten. Ich habe danach ein Bad im Campingplatzpool genommen, so warm war es wenigstens. Der strömende Regen hat uns allerdings vollends verwirrt, waren wir doch grundsätzlich heißen Sonnenschein gewöhnt.


Augenblicke „Tierbegegnungen“


Die Begegnungen mit Koalabären auf Magnetic Island, mit Cassowaries bei Mission Beach und Meeresschildkröten bei Mon Repos waren die absoluten Highlights dieser Ostküstenreise. Dazu gibt es einen eigenen Blogartikel!


Augenblick „Baden im Paradies“


Man stelle sich vor: eine kleine Sandbucht, eingerahmt von kleineren Felsen, azurblaues und türkises Wasser, Palmen am Strand und keine Quallen. Was für ein Paradies im Norden Australiens! Wir haben es uns nicht nehmen lassen, an diesem Tag unseren Stopp an diesem wunderhübschen Strand einzulegen und ausführlich baden zu gehen. Sonnenschein, Wärme und ein wundervolles kleines Strandcafé…


Augenblick „Brisbane“


Unsere Reaktionen konnten nicht unterschiedlicher sein, Tobi fand Brisbane ganz beeindruckend, eine überraschend schöne Stadt und wollte unbedingt auf einer Dachterrasse Cocktails trinken. Ich war völlig vom Großstadt-Hochhaus-Leben abgeschreckt und wollte nur wieder zurück auf endlose kleine Straßen durch die Wildnis. Es ist ein Cocktail auf einer Hochhaus-Dachterrassen-Bar geworden, der wirklich nicht übel war. Aber die Menschen in schicken Klamotten, der Straßenverkehr, die Parkplatzsuche und das versiegelte städtische Ambiente waren der pure Horror für mich.


Augenblick „Schmutziger Campervan“


Am nächsten Tag holten wir den Campervan ab, den wir in sechs Tagen nach Melbourne zurückbringen sollten. Leider hatten wir wohl viel Pech und sie haben uns (trotz Nachfragen) ein sehr altes Modell, das nicht im mindesten geputzt war, angedreht. Nach einigem eigenen Putzen war er zumindest zum Schlafen nutzbar sowie das Waschbecken. Dusche und Toilette haben wir nicht ausprobiert…obwohl wir eigentlich so gerne mal eine echte Campervanerfahrung machen wollten. Aber ich glaube, wir lieben unser Zelt. Der Van war riesig, hat unendlich Sprit verbraucht und war, wie gesagt, schon völlig abgenutzt. Aber er hat uns ermöglicht, dass wir auf Plätzen stehenbleiben konnten, für die man kein Geld zahlen muss, wo man aber mit dem Zelt nicht bleiben darf. Meistens liegen diese Stellwiesen wunderschön an Flüssen oder mitten im Nirgendwo!


Augenblick „Sydney Opera“


Wow – ein Highlight unserer Reise und eine unglaublich spannende kulturelle Erfahrung. Es war ein heißer Ritt zur Oper, weil wir uns erst kurzfristig zu einem Besuch entschlossen hatten und mit dem Van spät dran waren. Aber als wir fünf Minuten vor der Vorstellung für ein Heidengeld die Karten gekauft hatten, waren wir glücklich. Es hat sich wahnsinnig gelohnt – die Aufführung hieß Amadeus und – man muss es so sagen – einer der Vampire aus der bekannten Vampirsaga hat die Hauptfigur, Mozarts Gegenspieler Salieri, verkörpert. Er hat fantastisch gespielt, man hat richtig mit ihm mitempfunden. Da kommt ein junger Knabe und spielt „viel zu viele Noten“, die eine einmalige musikalische Kehrtwende darstellen. Salieri selbst gibt sich Mühe, ist anerkannt, aber er weiß, dass seine Musik niemals an Mozarts spielerische Genialität herankommen wird. Er intrigiert und intrigiert trotz seiner Bewunderung. Seine Intrigen sind erfolgreich, doch er ist nicht glücklich, kämpft er doch mit der musikalischen Bewunderung und der moralischen Verpflichtung.


Mozarts Musik ist wunderschön, vor allem, wenn Salieri sie begleitend erklärt. Sehr unangenehm ist es aber, wenn seine Monologe die Musik überlagern. Die Kostüme sind hoffentlich satirisch gemeint, dann wären sie gelungen – historisch sind sie auf keinen Fall. Das Bühnenbild ist schlicht, das Orchester tritt oft nur im Hintergrund auf. Mozart wird als menschliche Witzfigur dargestellt – seine Musik aber voll anerkannt.


Die Menschen in der Oper haben Abendkleider oder Flipflops an. Wir sind mit unseren Wanderschuhen gut mittig platziert. Beeindruckend ist, dass die Oper von Sydney es geschafft hat, Menschen allen Alters und jeder Herkunft erfolgreich zu ihren Aufführungen einzuladen. Ein Herr aus Dubai bietet uns in der Lobby an, uns zu fotografieren – auch er ist weit gereist für dieses einmalige Erlebnis. Der Ausblick aus dem Opernhaus auf den Hafen, auf die Harbourbridge ist wunderschön. Sydney gefällt uns beiden!


Augenblick „Surfen im Kalten“


Sydney hat einen ganz berühmten Strand – und da mussten wir auch hin und tatsächlich versuchen, unsere Surfkünste zu verbessern. Da wir ja an die warmen Gewässer gewöhnt waren, haben wir noch gelacht, als man uns zu den Surfboards auch Neoprenanzüge andrehen wollte. Als wir dann ins Wasser gegangen sind, haben wir endlich gecheckt, dass wir inzwischen gute 2500km in den Süden gefahren waren *brrrr*. Im Surfen waren wir richtig schlecht, aber wir haben nette Gespräche mit anderen Surfern geführt und Sydneys berühmtesten Familienstrand gesehen. Abends sind wir noch in ein sehr nettes Viertel mit kleinen älteren Häusern direkt unter der Harbour-Bridge geschlendert und einen traditionellen Burger genossen. Sydney ist wirklich eine Reise wert!


Augenblick „Museales Canberra“


Der kürzeste Weg nach Melbourne führt an Canberra vorbei – wo wir eigentlich nicht hinwollten, hört man über die konstruierte Hauptstadt doch nicht das beste. Wir besuchen das sogenannte Highlight der Stadt, das Nationalmuseum; und sind begeistert. Das Museum ist der erste Ort, an dem uns die Kultur der Aborigines (inzwischen First Nations genannt) endlich näher gebracht wird. Ein bisschen Traurig nach fast sechs Wochen Australien. Das Museum ist modern, von außen, von innen, mit unterschiedlichen Medien und Materialien, es ist wirklich bewegend. Am nachhaltigsten bleibt uns der Ausschnitt aus der Rede des Premierministers in Erinnerung, der sich 2008 zum ersten Mal umfangreich bei den First Nations entschuldigt hat. Seitdem scheint sich etwas in Australien zu ändern – aber nur ganz langsam und vielleicht schon zu spät.


Augenblick „Cricket in Melbourne“


In Melbourne müsst ihr unbedingt in das Melbourne Cricket Ground (MCG)-Stadion hat man uns gesagt. Und was läge da näher, als ein Cricketspiel anzusehen? 

Der größte Unterschied zu einem Fußballspiel in einem deutschen Stadion dürfte sein, dass Cricket eine Veranstaltung für Familien ist. Sogar Gegner sitzen nebeneinander, ohne Witz. Cricket ist nicht langweilig, es ist etwas bedacht, man versteht es nach einer Zeit sogar und – ok, das ist richtig – die Stimmung ist etwas gesetzt. Der Versuch zweier kleiner Jungs eine Laola-Welle loszutreten wird eher aus Mitleid mitgemacht, denn aus purem Enthusiasmus. Ziel des Spiels ist es, mehr Punkte als die gegnerische Mannschaft zu erreichen. Jede Mannschaft darf eine Halbzeit lang versuchen, einen geworfenen Ball mit einem Schläger zu treffen, die andere Mannschaft muss ihn dann möglichst fangen bzw. schon richtig fies werfen. Jeder Spielzug dauert etwas und ganz viele Bälle werden gar nicht getroffen (man sagte uns, das sei seeeeeeehr komplex^^). ABER: das Spiel wurde nach guten vier Stunden am Ende richtig spannend durch den letzten Ball entschieden. Auch das musste man uns allerdings erstmal erklären, wir hatten die Spielanzeige immer anders interpretiert ;-).


Fazit


Wir sind durch einen ganzen Kontinent gefahren. Das nördliche Cairns hat so gut wie nichts mit dem südlichen Melbourne zu tun. Das Klima, das Meer, die Landschaft, die Gebäude und die Menschen sind völlig anders. Die Tierwelt ist überall beeindruckend, bei der Kultur gibt es ein gewisses Süd-Nord-Gefälle. Aber dazu mehr: wir wollen unbedingt einen Artikel über Australiens Kultur schreiben. Aber erst, wenn wir alles gesehen haben ☺, wir wurden schon zu oft überrascht!


  • Bildtitel

    Untertitel hier einfügen
    Button
  • Bildtitel

    Untertitel hier einfügen
    Button
  • Bildtitel

    Untertitel hier einfügen
    Button
  • Bildtitel

    Untertitel hier einfügen
    Button
  • Bildtitel

    Untertitel hier einfügen
    Button
  • Bildtitel

    Untertitel hier einfügen
    Button
  • Bildtitel

    Untertitel hier einfügen
    Button
  • Bildtitel

    Untertitel hier einfügen
    Button
  • Bildtitel

    Untertitel hier einfügen
    Button
  • Bildtitel

    Untertitel hier einfügen
    Button
  • Bildtitel

    Untertitel hier einfügen
    Button
  • Bildtitel

    Untertitel hier einfügen
    Button
  • Bildtitel

    Untertitel hier einfügen
    Button
  • Bildtitel

    Untertitel hier einfügen
    Button
  • Bildtitel

    Untertitel hier einfügen
    Button
  • Bildtitel

    Untertitel hier einfügen
    Button
  • Bildtitel

    Untertitel hier einfügen
    Button
  • Bildtitel

    Untertitel hier einfügen
    Button
  • Bildtitel

    Untertitel hier einfügen
    Button
  • Bildtitel

    Untertitel hier einfügen
    Button
  • Bildtitel

    Untertitel hier einfügen
    Button
  • Bildtitel

    Untertitel hier einfügen
    Button
  • Bildtitel

    Untertitel hier einfügen
    Button
  • Bildtitel

    Untertitel hier einfügen
    Button
  • Bildtitel

    Untertitel hier einfügen
    Button
  • Bildtitel

    Untertitel hier einfügen
    Button
  • Bildtitel

    Untertitel hier einfügen
    Button
  • Bildtitel

    Untertitel hier einfügen
    Button
  • Bildtitel

    Untertitel hier einfügen
    Button
  • Bildtitel

    Untertitel hier einfügen
    Button
  • Bildtitel

    Untertitel hier einfügen
    Button
  • Bildtitel

    Untertitel hier einfügen
    Button
  • Bildtitel

    Untertitel hier einfügen
    Button
  • Bildtitel

    Untertitel hier einfügen
    Button
  • Bildtitel

    Untertitel hier einfügen
    Button
  • Bildtitel

    Untertitel hier einfügen
    Button
von Johanna Baer 12. Januar 2026
Am zweiten Januarwochenende hat mir Tobi auf einer sehr lustigen Familienfeier jemanden mit den Worten vorgestellt: da ist jemand ein Fan von uns 😊. Und mir ist das Herz aufgegangen. Uns hatten auf dieser großen Feier von Tobis großem Bruder schon einige Menschen gesagt, wir toll sie unsere Erlebnisse und Unternehmungen finden. Mit am nettesten war die Begrüßung: „Oh Tobi, der Kleine! Du bist genau wie früher und bringst allen Schnaps“, denn Tobi war damals in der Musikkapelle immer einer der Jüngsten gewesen. Dass er nun fast alle überragt, hat niemanden davon abgehalten, in den Kleinen zu nennen und völlig überrascht zu sein, dass er schon seit über sechs Jahren verheiratet ist… Aber zurück zu unserem Fan 😊. Es hat sich herausgestellt, dass die liebe Bekannte immer so gerne unsere Berichte und kleinen Posts liest und sich richtig darüber freut, wenn wir etwas schreiben. Das war so schön zu hören, denn oft sitze ich vor meinem PC und frage mich, wer das liest und ob das überhaupt Sinn macht, zu schreiben. Es ist zwar in jedem Fall auch wie ein bisschen ein Tagebuch für uns, aber als Buch wollte es bisher auch keiner herausbringen. Also wird es wohl einfach weiter ein Blog sein, aber einer, den ich auch wieder mehr wertschätze, weil ich weiß, dass es doch einige liebe Menschen gibt, die ihn gerne lesen! Das Jahr 2025 haben wir kaum etwas geschrieben, also werde ich jetzt einen kurzen Jahresdurchgang machen. Vom Obstbäumeschneiden in Niederbayern über wunderschöne arbeitsreiche Monate auf einer Schweizer Alp und einer kleinen Tour de France, die schließlich in eine echte Auszeit in der Bretagne gemündet ist. Winter und Frühling Vielleicht passt Winter und Frühling ganz gut zu den beiden Orten, an denen wir in den ersten Monaten des Jahres 2025 gearbeitet haben. Einerseits war Tobi in einem Seminarhaus an unserem damaligen Wohnort tätig, andererseits haben wir beide beim Streuobstbetrieb Stöckl in Niederbayern gearbeitet. Es fällt mir schwer über die frostige, winterliche Zeit am ersten Ort zu schreiben, denn es hat sich herausgestellt, dass dort nicht der richtige Ort für uns war. Auch wenn wir dort viele sehr nette Menschen kennengelernt haben und im Jahr zuvor einen ganzen kleinen Gemüsebetrieb aufgebaut haben (mit Gewächshaus und Businessplan etc.), haben manche Begegnungen dazu geführt, dass wir sehr traurig und psychisch heftig angegriffen nach einem anderen Wohn-, Arbeits- und Lebensort gesucht haben. So viel zu diesem Winter-Teil, wer mehr wissen möchte, darf sich gerne direkt an uns wenden! Der parallel verbrachte Frühling bei Familie Stöckl in Niederbayern, so nennen ich es jetzt mal, auch wenn es manchmal fünf Grad und Nieselregen waren, haben uns oft über die schwierigen Zeiten weitergeholfen. Gemeinsam bei Sonne, Regen, Wind und Wetter die Obstbäume in Zentralbayern so zu schneiden, dass sie optimal wachsen und qualitativ hochwertige Früchte tragen, hat im gemeinsamen Team immer Freude gemacht. Selbst wenn man mit der Mistgabel dem Anhänger hinterherläuft, um den Mist auf der 2 Hektar großen Wiese unter den Bäumen mit Schwung zu verteilen, ist die Arbeit immer wohltuend, nie stressig, aber durchaus herausfordernd und vor allem sehr zufriedenstellend gewesen. Auch die Tage, die ich im Büro verbracht habe, habe ich in guter Erinnerung. Nicht nur, weil immer ein Kaffee und ein Schwätzchen in der Küche mit jemandem aus der Familie möglich ist, sondern auch, weil es ich zwar nach wie vor eine sitzende Tätigkeit vor einem Bildschirm nicht mag, aaaaaaber die Verwaltung eines Betriebs nun einmal sein muss und ich dabei einen Beitrag leisten kann. So nutzt das Computer- und Verwaltungswissen einem guten Zweck und Selbstwirksamkeit hat ja noch keinem geschadet! Der wirtschaftliche Streuobstanbau ist für mich ein Betriebszweig, der wirklich Sinn macht – dort werden Umweltschutz und regionale Lebensmittelversorgung, lokal verfügbare Arbeitsplätze mit hohem Weiterbildungs- und Verwirklichungspotential und der Schutz der Biodiversität zukunftsfähig zusammengedacht. Außerdem haben wir die lustigste Fortbildung unseres Lebens gemacht und sind jetzt Staatliche geprüfte Obstbaumpfleger. Nach vier Ausbildungswochenenden in Passau, so viel Lachen, wie man sich niemals vorstellen kann, ein paar geschnittenen Bäumen, einer saftigen Prüfung haben wir Freunde fürs Leben gefunden und dürfen jetzt ganz offiziell Förderungen aus dem Streuobstpakt beantragen…(oder so ähnlich). Wir haben lange überlegt, ob wir nicht gleich nach Niederbayern ziehen und zu echten Streuobst-Mit-Bauern werden, aber der Drang, nochmal etwas Neues kennenzulernen, war dann doch größer und wir haben uns ziemlich spontan eine Schweizer Alp gesucht. Denn auf die Frage, was wir am liebsten arbeiten, lautet die Antwort scheinbar alle paar Jahre wieder: „Zwischen Kühen sitzen!“ Deshalb haben wir Anfang Mai unser Hab und Gut in einen Container geräumt (Spoiler-Alarm, dort ist es noch immer!) und den Rest in unser Auto gepackt. Auf dem Weg in die Schweiz, wo wir bereits erwartet wurden, denn die Kühe waren dank des milden Frühlings schon ohne uns auf der Alp, ist uns unser Auto mitten auf der Bundesstraße ausgegangen. Wir dachten beide, wir spinnen. Nach super stressigen Umzugs-/Putz-/Erledigungstagen hatten wir alles in das Auto gequetscht und dann geht es einfach aus. Und es war leider keine einfache Panne, sondern der Motor war kaputt. Ja, richtig gehört, Zahnriemen gerissen, kurz nach der Gewährleistungsfrist und keine Werkstatt, die das so einfach richten kann. Kostenaussicht 5.-10.000€. Wir waren mental so fertig, dass wir eigentlich gar nicht mehr wussten, ob wir lachen oder weinen sollen. Gottseidank neigen wir beide in solchen Situationen nicht zum Verzweifeln, sondern zum sofortigen Handeln und so waren wir ein paar Stunden nach der Panne, in einem zu kleinen Mietwagen mit nur der Hälfte von unserem Zeug, auf der Autobahn Richtung Schweiz. Völlig ungeplant haben wir dann die Nacht mal wieder bei unseren lieben Freunden auf einem Schafshof bei Mindelheim verbracht, zum Weiterfahren war es einfach zu spät. Und am nächsten Tag waren wir in der Schweiz – auf der Alp – und sind dort eingezogen. Das Drama, wie unser Auto schließlich doch noch repariert worden ist, wie der Mietwagen NICHT zurück an den richtigen Abgabeort gekommen ist und wie sehr wir uns mit der Autovermietung gestritten haben, lasse ich an dieser Stelle aus. Sonst rege ich mich zu sehr auf und ich glaube, das habe ich damals schon genug getan. Seltsamerweise wird alles irgendwann gut – auch wenn es uns zwei Monatsgehälter gekostet hat. Das ist wohl der Preis für das Alles-Gut-Werden, aber im Grunde genommen – und das habe ich von Tobi gelernt – ist es „nur Geld“. Nicht unsere Gesundheit, nicht ein schlimmer Unfall und nicht unser Lebensglück. Zum Thema Geld, ich glaube, das ist ein wichtiges Thema, gerade bei „Weltreisenden“ oder wie sie gesehen werden 😊. Es mag sie geben, die Menschen, die mit null Euro Startguthaben oder auch nur mit 2000 Euro auf dem Bankkonto um die Welt ziehen. Wir waren das nie und werden das auch nicht sein; denn finanzielle Sicherheit ist mir unglaublich wichtig. Die Frage, woher wir das Geld haben, so viel zu reisen oder nicht jahrelang demselben akademischen Job nachzugehen, hat viele Facetten. Die erste und wichtigste ist, dass wir beide unglaublich großzügige Eltern und Verwandte haben. Wir haben beide ein Studium finanziert bekommen, dazu teilweise auch noch die Mieten als Studenten und wirklich großzügige Geschenke zu Weihnachten, Geburtstagen oder auch einfach sonst einmal. Dafür sind wir unendlich dankbar, denn das Glück, in Familien aufzuwachsen, die uns finanziell und emotional mehr als nur eine stabile Basis gegeben haben, ist weltweit sehr selten. Auch aus diesem Grund schreiben wir über unsere Erlebnisse – damit alle, die es gerne möchten, aber aus verschiedenen Gründen nicht können oder wollen, diese ein bisschen miterleben. Wenn wir das alles erleben dürfen und können, dann möchten wir es so vielen Menschen wie möglich auch zur Verfügung stellen. Dieser familiäre Grundstock hat es uns dann ermöglicht, zu sparen und wir sind während unserer Studien beide auch Studentenjobs nachgegangen. Und schließlich haben wir beide gut bezahlte Jobs (für den sozialen Bereich 😉) gehabt, in denen wir einige Jahre lang gearbeitet haben. Auch wenn wir natürlich viel Geld für die Miete in München und Umgebung ausgegeben haben, pflegen wir außer unseren Reisen und gutem, ökologischem Essen keine kostspieligen Hobbies (okay, das mit dem Tauchen hätten wir nicht anfangen sollen, wenn es danach geht). Sagen wir mal, wie haben keinen kostspieligen alltäglichen Lebensstil – keine unnötigen Amazonbestellungen, kein Schmuck, keine schicken Autos, keine technischen Gadgets, wenig Klamotten und Schuhe, kaum Deko – wobei ich finde, wir haben eh unendlich Kram! – und vermutlich vergesse ich all die Dinge, an die wir einfach nie denken würden, sie zu kaufen. Also zum Beispiel auch kein Haus, kein Grundstück, kein Darlehen dafür und keine finanziellen familiären Verpflichtungen. Das Allerwichtigste finde ich, dass jeder das für sich macht/kauft/tut, was zu ihm passt. Bei uns sind es eben die Reisen, dafür aber viele andere Sachen nicht, die für andere Menschen wichtig sind. Bei all unseren Jobs achten wir darauf, dass wir genug verdienen, um unseren Alltag und die Zeiten der Reisen finanzieren können und nebenher noch etwas für die Rente zur Seite zu legen. Also nein, wir sind nicht die Mit-Null-Euro-Um-Die-Welt-Backpacker. So mutig (?) wären wir nie und wollen es auch nicht sein. Vielleicht ist damit das Geheimnis um unsere Weltreise-Geldbeutel gelüftet 😊. Da ich völlig vom Thema abgekommen bin, werde ich über die 22 gemütlichen Schweizer Milchkühe, das kleine Kälbchen und die Tonnen an Käse aus Miraculix Kupferkessel das nächste Mal schreiben! Ich freue mich, wenn ihr dabei seid!
von Hanni 21. September 2025
Kurz vor der Alp-Abfahrt
von Hanni 7. Januar 2024
Ein Update
von Glücksbärchis 29. Juli 2023
Wenn ein Paradies die Erwartungen übertrifft
von Hanni 19. Juli 2023
Zwillinge, Dusty und Biertasting
von Eddy 17. Juli 2023
aus Sicht von Eddy
von Hanni 16. Juli 2023
Hawke's Bay, Rotorua, Bay of Plenty
von Hanni 5. Juni 2023
Wwoofen auf zwei Inseln
von Hanni 28. Mai 2023
wenn man sich am anderen Ende der Welt trifft
von Hanni 10. Mai 2023
Grün, großartig, Greenwashing in Neuseeland
Show More