Wenn man sich als Europäer fühlt

Hanni • 10. März 2023

Australien - kulturelle Unterschiede eines Kontinents


Früher hätte ich gesagt, dass man sich dann als Europäer fühlt, wenn man grenzenlos in andere Länder mit anderen Sprachen fahren kann, die jeweilige Landesküche genießt, man sich tolerant und weltoffen fühlt.


Jetzt würde ich sagen: Man ist Europäer, wenn man merkt, dass die Geschichte Europas tausende Jahre alt ist, auf griechisch-römischer Philosophie aufbaut mit christlicher Historie und vielen weiteren, multikulturellen Einflüssen über Jahrhunderte. Das drückt sich aus in verschiedenen Sprachen, in verschiedenen Staaten mit sich deutlich unterscheidenden Kulturen, in unzähligen Baustilen und historischen Gebäuden, gewachsenen Städten, im positivsten Fall in einem Gespür für bereichernde Unterschiede, in inhaltlich und von der Machart differierenden Kulturbetrieben und -aufführungen. Im schlechtesten Fall entstehen Ausländerhass, Überheblichkeit, Nationalismus und die Ablehnung von Innovationen zur Bewahrung der Tradition.


Australien ist anders - in jeglicher Hinsicht. Es ist kein einzelnes Land mit einer durchgängigen Kultur. Es ist ein Kontinent, der seine alte, altehrwürdige Kultur (die es ohne Zweifel in beeindruckender Weise gab) gezielt vernichtet hat und das heute ohne eine aufgebaute Kultur als Einwandererland mit unzähligen Lebensweisen aufwartet. Insofern Kultur etwas mit Geschichte zu tun hat, ist Australien kulturlos - mit Ausnahme von Museen mit Aborigene-Bezug und den dezent wachsenden Kunstgalerien mit faszinierendem Dotpainting der Ureinwohner.


Ansonsten lebt man in Australien einfach so, wie man möchte. Kaum Traditionen - ein mächtiges Weihnachtsessen funktioniert einfach nicht bei 40 Grad, kaum Familiengeschichte, keine Denkmäler vor 1918, junge Freikirchen statt römisch-katholischen Stein-Kathedralen, Pappadeckel-Bauten (so nennt Tobi sie) statt soliden, mehrstöckigen Familienhäusern, aber auch ultramoderne Wolkenkratzer am Strand, ein modernes Nahverkehrssystem, bei dem man nur seine Kreditkarte beim Ein- und Aussteigen nutzen muss, multikulturelle Restaurants, Stadtviertel, Beziehungen - es ist egal, wo man herkommt, solange man hart arbeitet und/oder Englisch lernt. Ganz viel Natur, Sport, Alkohol - ganz viel Unverbindlichkeit ("Ach, irgendwann fährt euch schon jemand in die Stadt"), sehr viel britisches Erbe (Tee, Sprache, Staatsoberhaupt, Clubs, aber für jedermann/frau) und je mehr man nach Süden kommt, umso mehr moderne, anspruchsvolle Unterhaltung in Oper (geht auch mit Flip Flops), Street Art, Museen und designten Häusern (nördlich herrscht Wellblech vor).


Manchmal wirkt das Leben sehr viel freier in Australien - jeder kann überall leben, wie und wo er möchte. Es stehen keine festgefahrenen Traditionen, Herkunftsgrenzen oder Erwartungen im Weg. Manchmal macht es das Leben aber auch ein wenig ärmer, finde ich. Die Städte sind vor allem funktionell und nicht schön, das Essen ist überall so unterschiedlich, dass es im Grunde überall gleich ist. Und manchmal ist uns auch ein gewisser Starrsinn auf Farmen aufgefallen, dass man nicht von den anderen lernen will, sondern nur auf dem eigenen Lösungsweg pocht, den man sich nach selfmademan/women-Art ausgedacht hat. Auf unserer Blaubeerfarm hingegen haben wir uns wie zu Hause gefühlt - in Gesprächen über Weltgeschichte und anerkennend für alle bereichernden Unterschiede.


Am Ende sind es immer und im jeden Land die einzelnen Menschen, die ein Land ausmachen. Und die Australier haben uns alle mit offenen Armen empfangen - mit viel Interesse, keiner Beurteilung unserer Pläne oder höchstens mit Bestärkung, alle Farm-Gastgeber haben uns als Wildfremden ihre Türen geöffnet, uns bekocht und von ihrem Land vorgeschwärmt, das wir in aller Ausführlichkeit versucht haben, kennenzulernen!


Tatsächlich fällt es im Nachhinein nicht leicht ein Fazit über diesen Kontinent zu schreiben. Er ist zu groß und zu vielfältig in seinen Lebensräumen und Lebensweisen, als dass wir nach drei Monaten ein einheitliches Bild zeichnen könnten. Vielleicht ist dies das Typische an Australien: es ist einfach nicht zu fassen. Am eindrücklichsten haben wir das am Ayers Rock erlebt. Eine völlig lebensfeindliche Gegend mit drückender Hitze und Schwärmen von Fliegen, aber dennoch so eine berückende Schönheit, dass man stundenlang fasziniert die Naturphänomene betrachten will.


Ps: Die Fotos sind Schnappschüsse aus zweieinhalb Monaten Australien - die wunderschönsten Aufnahmen zu den einzelnen Themen findet ihr bei den jeweiligen Blogartikeln!

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von Hanni 29. März 2026
Seit einer Woche bin ich alleine unterwegs - es fühlt sich gar nicht so lange an, weil ich so viel erlebt habe und so viele neue Eindrücke auf mich eingestürmt sind. Ich versuche das hier mal zu sortieren ;-) Anreise von München nach Vancouver Ganz früh in der Früh hat Tobi mich am letzten Montag zum Flughafen gefahren - was lange Zeit etwas unklar war, weil Tobi sich ja leider die Woche davor das Knie ordentlich verdreht, angerissen, gestaucht hat und wir die letzte Woche damit verbracht haben zu Orthopäden, MRTs und Sanitätshäusern zu fahren. Ich gebezu, dass ich mir manchmal gewünscht habe, schon im Flieger zu sitzen. Nicht, weil ich nicht gerne mit Tobi in Niederbayern bin, sondern weil wir doch mit manchen Lebensbereichen in den letzten Monaten viel Pech hatten und ich mir gewünscht habe, freier von Schwierigkeiten zu sein. Ein mehr als kaputtes Auto inklusive ständigem Pannenservice, Streitereien mit der Versicherung, eine Wohnungssuche, ein kaputtes Knie, viel Nebel, die Suche nach einem neuen Auto und diversen anderen lebensbeschwerenden Umständen habe ich mich danach gesehnt, für möglichst wenig verantwortlich zu sein. Tobi weiß das, wir würden diesen Lebensabschnitt nicht so gestalten, wenn wir uns nicht einig wären, dass es uns beiden hoffetnlich gut tun wird. Nur zur Versicherung, dass wir nach wie vor das Knuddel-Dreamteam-Wir-sind-am-liebsten-immer-zusammen-Pärchen sind. Jeder von uns erhält nur eine Auszeit von dem bisherigen Alltag. Ich in Kanada und Tobi in Niederbayern. Dennoch hat es sich seltsam angefühlt, alleine hinter der Sicherheitssperre am Flughafen zum Gate zu laufen. Ich bin einmal vorher alleine für die Arbeit geflogen, daher war es nicht ganz so komisch, aber doch sehr gewöhnungsbedürftig, wenn man nicht zusammen wartet, Toiletten sucht (jetzt muss man immer sein Zeug mit auf die möglichst größte Toilette, die man findet, nehmen), ich selbst mein Gepäck in die Abteile über den Sitzen hieven muss und es so still im persönlichen Plauderradius wird. Tatsächlich glaube ich, dass ich, wenn ich mit Tobi reise, mit mehr Menschen Kontakt aufnehme. Ich dachte immer, ich hätte total authentisch immer dieselbe Persönlichkeit - wenn ich alleine unterwegs bin, genauso wie wenn wir zu zweit reisen -, aber scheinbar bin ich deutlich schüchterner und zurückhaltender alleine. Ich suche gar nicht unbedingt die Gesellschaft anderer oder erst nach einer gewissen Zeit. Vielleicht zeichnet sich eine Partnerschaft dadurch aus, dass es diesen einen Menschen gibt, dessen N ähe selbstverständlich ist, den man immer um sich herum haben will oder haben kann, bei dem man sich keine Mühe machen muss für ein schweigendes oder ein kommunikatives Miteinander. Früher habe ich immer Menschen um mich herum gesucht, jetzt merke ich, dass ich gerne Zeit und Ruhe für mich habe. Erstaunlich. Der Flug von München nach Paris war ziemlich ereignislos, in Paris musste ich mein Gepäck abholen und hatte meinen ersten hochinteressanten Kulturschock. Die Rollbänder der Gepäckabholung waren umrandet von arabisch gekleideten Menschen, sehr viele Kopftüchern, Kaftanen, riesigen Koffern und arabisch beschrifteten Paketen, die alle sehr ähnlich aussahen. Ich habe das durch die Bilderkennung gejagt, weil ich neugierig war. Es hat sich herausgestellt, dass viele dieser Menschen frisch aus Mekka kamen und heiliges Wasser in Kartons importiert haben. Ein französisches Ehepaar, das zwei Monate in Asien war, war völlig überfordert von all den Menschen - ich befürchte, sie haben keine besonders netten Kommentare gemacht über "Fremde" in Frankreich. Ich habe versucht, ihnen zu sagen, dass ich verstehe, dass alles "Fremde" einem erstmal Angst macht (so sind wir Menschen eben), aber das es eigentlich sehr schön ist, welche kulturelle Vielfalt am Pariser Flughafen ist. Ich fand es jedenfalls deutlich spannender und interessanter als die Business-Anzugträger am schicken Münchner Flughafen. Außerdem haben mich diese Pakete schwer an das Weihwasser aus Lourdes erinnert, das Tobi und ich mitgenommen hatten. Die Menschheit mag auf den ersten Blick total unterschiedlich sein, auf den zweiten Blick haben wir aber sehr ähnliche Bräuche, die absolut selben Hoffnungen für ein gutes Leben und im besten Fall kommen wir alle gut miteinander aus. In Paris hatte ich eine lange Umstiegszeit, die ich auch noch außerhalb der Sicherheitssperre verbringen musste. Für den teuersten Kaffee meines Lebens habe ich mir einen Platz in einem Flughafen-Café gesichert und erstmal einige Telefonate geführt, die ich schon lange auf der Agenda hatte. Von München ging es mit einem Neun-Stunden-Flug nach Calgary und ich hatte mich noch so gefreut, dass ich mega schlau nach dem Sitz am Notfallausgang ergattert habe. Nie wieder, sage ich euch, erstens steht da immer die Schlange vorm Klo, die Leute machen Dehnübungen und dann hat sich auch noch eine osteuropäische Reisegruppe lauthalts festgequatscht, als ich grad schlafen wollte. Beinfreiheit hin oder her, das nächste Mal nehme ich lieber meine Ruhe! In Calgary hieß es dann, dass ich noch hier an diesem Flughafen meine Einreisepapiere und meine Arbeitserlaubnis checken lassen muss, so dass ich schon dezent Panik entwickelt habe, dass ich meinen Flug nach Vancouver verpasse. Vor allem, als der Immigration Officer gefragt hat, ob ich denn nicht meinen medizinischen Check gemacht habe für das Arbeitsvisum. Eine sehr fiese lange Minute hat er dann seine eigene Webseite gecheckt und Entwarnung gegeben, dass ich das (so wie ich das auch gecheckt hatte vor einem Jahr, aber mich nicht mehr so gut erinnern konnte) nicht brauche. Puh!!! In Calgary am Flughafen war es dann so schön, dass jemand in der Ankunftshalle Indie-Country-Musik gespielt hat, das hat eine so schöne Atmosphäre gemacht und ich habe mich sehr fröhlich willkommen geheißen gefühlt. Jetzt der Schnelldurchlauf für Vancouver ;-). Ich hatte ein nettes Air Bnb, wo ich gleich in der Früh beim Frühstück eine nette Kanadier-Chinesin getroffen habe und wir so ein nettes internationales Gespräch geführt haben. In Richmond, der Stadt direkt unterhalt von Vancouver, wo meine Unterkunft war, sind ungefähr neunzig Prozent der Bevölkerung asiatisch oder asiatischer Abstammung. Egal, ob auf der Behörde, wo ich meine Sozialversicherungsnummer in weniger als einer halben Stunde erhalten habe, oder bei der Bankfiliale, wo ich ein Konto aufgemacht habe - ebenfalls super schnell und super freundlich - oder in allen Restaurants, wo dann tatsächlich auch Chinesisch gesprochen wird (mit allen außer mir und noch zwei westlich aussehenden Personen ;-). Mit dem Skytrain, einer Art S-Bahn, die entweder auf einer Trasse über den Straßen oder unterirdisch fährt, bin ich dann ins Zentrum von Vancouver. Es wird oft von Vancouver geschwärmt, wie schön die Stadt liegt, am Meer, umrahmt von Bergen, mit einer Art "Altstadt" - mir hat das irgendwie nicht so eingeleuchet. Cool sind die Wasserflugzeuge, die man starten sieht, aber Wolkenkratzern und ein paar wenigen kleineren Häusern und Pubs in einer Straße kann ich einfach nicht so viel abgewinnen. Historische Altstädte mit Häusern aus verschiedensten Baustilen, mit Kirchen, Palästen, Gärten oder kulturellen Gebäuden liegen vielleicht eher in meiner DNA bei der Bewertung von schönen Städten. Interessant war übrigens auch die Erfahrung, alleine in Cafés oder im Restaurant zu sitzen, zumal ich meistens mein Handy den Kellner*innen zum Aufladen in die Hand gedrückt habe. Dann saß ich auf einmal alleine, ohne Handy da. Das war sowas von ungewohnt, weil ich gar nicht wusste, was ich mit mir anfangen sollte. Ich bin dazu übergegangen, meine Umgebung viel mehr wahrzunehmen; wer neben mir sitzt, wer vorbeiläuft, wie die Häuser gebaut sind, wie schön warm die Sonne durchs Fenster scheint und nebenbei meinem Gedanken nachzuhängen. Es war irgendwie sehr entschleunigend und beruhigend. Die Beruhigung hatte ich nötig, dann am nächsten Tag sollte es dann mit einem winzigen Flugzeug in den Norden, nach Anahim Lake gehen...inklusive angekündigtem Schneesturm und lediglich einem Namen von der Familie von der Ranch, wo ich hinwollte. Keine Adresse, Minus 15 Grad in der Früh angekündigt und eine ORtschaft mit 82 Einwohner*innen. Aber davon beim nächsten Mal mehr ;-)
von Johanna Baer 12. Januar 2026
Am zweiten Januarwochenende hat mir Tobi auf einer sehr lustigen Familienfeier jemanden mit den Worten vorgestellt: da ist jemand ein Fan von uns 😊. Und mir ist das Herz aufgegangen. Uns hatten auf dieser großen Feier von Tobis großem Bruder schon einige Menschen gesagt, wir toll sie unsere Erlebnisse und Unternehmungen finden. Mit am nettesten war die Begrüßung: „Oh Tobi, der Kleine! Du bist genau wie früher und bringst allen Schnaps“, denn Tobi war damals in der Musikkapelle immer einer der Jüngsten gewesen. Dass er nun fast alle überragt, hat niemanden davon abgehalten, in den Kleinen zu nennen und völlig überrascht zu sein, dass er schon seit über sechs Jahren verheiratet ist… Aber zurück zu unserem Fan 😊. Es hat sich herausgestellt, dass die liebe Bekannte immer so gerne unsere Berichte und kleinen Posts liest und sich richtig darüber freut, wenn wir etwas schreiben. Das war so schön zu hören, denn oft sitze ich vor meinem PC und frage mich, wer das liest und ob das überhaupt Sinn macht, zu schreiben. Es ist zwar in jedem Fall auch wie ein bisschen ein Tagebuch für uns, aber als Buch wollte es bisher auch keiner herausbringen. Also wird es wohl einfach weiter ein Blog sein, aber einer, den ich auch wieder mehr wertschätze, weil ich weiß, dass es doch einige liebe Menschen gibt, die ihn gerne lesen! Das Jahr 2025 haben wir kaum etwas geschrieben, also werde ich jetzt einen kurzen Jahresdurchgang machen. Vom Obstbäumeschneiden in Niederbayern über wunderschöne arbeitsreiche Monate auf einer Schweizer Alp und einer kleinen Tour de France, die schließlich in eine echte Auszeit in der Bretagne gemündet ist. Winter und Frühling Vielleicht passt Winter und Frühling ganz gut zu den beiden Orten, an denen wir in den ersten Monaten des Jahres 2025 gearbeitet haben. Einerseits war Tobi in einem Seminarhaus an unserem damaligen Wohnort tätig, andererseits haben wir beide beim Streuobstbetrieb Stöckl in Niederbayern gearbeitet. Es fällt mir schwer über die frostige, winterliche Zeit am ersten Ort zu schreiben, denn es hat sich herausgestellt, dass dort nicht der richtige Ort für uns war. Auch wenn wir dort viele sehr nette Menschen kennengelernt haben und im Jahr zuvor einen ganzen kleinen Gemüsebetrieb aufgebaut haben (mit Gewächshaus und Businessplan etc.), haben manche Begegnungen dazu geführt, dass wir sehr traurig und psychisch heftig angegriffen nach einem anderen Wohn-, Arbeits- und Lebensort gesucht haben. So viel zu diesem Winter-Teil, wer mehr wissen möchte, darf sich gerne direkt an uns wenden! Der parallel verbrachte Frühling bei Familie Stöckl in Niederbayern, so nennen ich es jetzt mal, auch wenn es manchmal fünf Grad und Nieselregen waren, haben uns oft über die schwierigen Zeiten weitergeholfen. Gemeinsam bei Sonne, Regen, Wind und Wetter die Obstbäume in Zentralbayern so zu schneiden, dass sie optimal wachsen und qualitativ hochwertige Früchte tragen, hat im gemeinsamen Team immer Freude gemacht. Selbst wenn man mit der Mistgabel dem Anhänger hinterherläuft, um den Mist auf der 2 Hektar großen Wiese unter den Bäumen mit Schwung zu verteilen, ist die Arbeit immer wohltuend, nie stressig, aber durchaus herausfordernd und vor allem sehr zufriedenstellend gewesen. Auch die Tage, die ich im Büro verbracht habe, habe ich in guter Erinnerung. Nicht nur, weil immer ein Kaffee und ein Schwätzchen in der Küche mit jemandem aus der Familie möglich ist, sondern auch, weil es ich zwar nach wie vor eine sitzende Tätigkeit vor einem Bildschirm nicht mag, aaaaaaber die Verwaltung eines Betriebs nun einmal sein muss und ich dabei einen Beitrag leisten kann. So nutzt das Computer- und Verwaltungswissen einem guten Zweck und Selbstwirksamkeit hat ja noch keinem geschadet! Der wirtschaftliche Streuobstanbau ist für mich ein Betriebszweig, der wirklich Sinn macht – dort werden Umweltschutz und regionale Lebensmittelversorgung, lokal verfügbare Arbeitsplätze mit hohem Weiterbildungs- und Verwirklichungspotential und der Schutz der Biodiversität zukunftsfähig zusammengedacht. Außerdem haben wir die lustigste Fortbildung unseres Lebens gemacht und sind jetzt Staatliche geprüfte Obstbaumpfleger. Nach vier Ausbildungswochenenden in Passau, so viel Lachen, wie man sich niemals vorstellen kann, ein paar geschnittenen Bäumen, einer saftigen Prüfung haben wir Freunde fürs Leben gefunden und dürfen jetzt ganz offiziell Förderungen aus dem Streuobstpakt beantragen…(oder so ähnlich). Wir haben lange überlegt, ob wir nicht gleich nach Niederbayern ziehen und zu echten Streuobst-Mit-Bauern werden, aber der Drang, nochmal etwas Neues kennenzulernen, war dann doch größer und wir haben uns ziemlich spontan eine Schweizer Alp gesucht. Denn auf die Frage, was wir am liebsten arbeiten, lautet die Antwort scheinbar alle paar Jahre wieder: „Zwischen Kühen sitzen!“ Deshalb haben wir Anfang Mai unser Hab und Gut in einen Container geräumt (Spoiler-Alarm, dort ist es noch immer!) und den Rest in unser Auto gepackt. Auf dem Weg in die Schweiz, wo wir bereits erwartet wurden, denn die Kühe waren dank des milden Frühlings schon ohne uns auf der Alp, ist uns unser Auto mitten auf der Bundesstraße ausgegangen. Wir dachten beide, wir spinnen. Nach super stressigen Umzugs-/Putz-/Erledigungstagen hatten wir alles in das Auto gequetscht und dann geht es einfach aus. Und es war leider keine einfache Panne, sondern der Motor war kaputt. Ja, richtig gehört, Zahnriemen gerissen, kurz nach der Gewährleistungsfrist und keine Werkstatt, die das so einfach richten kann. Kostenaussicht 5.-10.000€. Wir waren mental so fertig, dass wir eigentlich gar nicht mehr wussten, ob wir lachen oder weinen sollen. Gottseidank neigen wir beide in solchen Situationen nicht zum Verzweifeln, sondern zum sofortigen Handeln und so waren wir ein paar Stunden nach der Panne, in einem zu kleinen Mietwagen mit nur der Hälfte von unserem Zeug, auf der Autobahn Richtung Schweiz. Völlig ungeplant haben wir dann die Nacht mal wieder bei unseren lieben Freunden auf einem Schafshof bei Mindelheim verbracht, zum Weiterfahren war es einfach zu spät. Und am nächsten Tag waren wir in der Schweiz – auf der Alp – und sind dort eingezogen. Das Drama, wie unser Auto schließlich doch noch repariert worden ist, wie der Mietwagen NICHT zurück an den richtigen Abgabeort gekommen ist und wie sehr wir uns mit der Autovermietung gestritten haben, lasse ich an dieser Stelle aus. Sonst rege ich mich zu sehr auf und ich glaube, das habe ich damals schon genug getan. Seltsamerweise wird alles irgendwann gut – auch wenn es uns zwei Monatsgehälter gekostet hat. Das ist wohl der Preis für das Alles-Gut-Werden, aber im Grunde genommen – und das habe ich von Tobi gelernt – ist es „nur Geld“. Nicht unsere Gesundheit, nicht ein schlimmer Unfall und nicht unser Lebensglück. Zum Thema Geld, ich glaube, das ist ein wichtiges Thema, gerade bei „Weltreisenden“ oder wie sie gesehen werden 😊. Es mag sie geben, die Menschen, die mit null Euro Startguthaben oder auch nur mit 2000 Euro auf dem Bankkonto um die Welt ziehen. Wir waren das nie und werden das auch nicht sein; denn finanzielle Sicherheit ist mir unglaublich wichtig. Die Frage, woher wir das Geld haben, so viel zu reisen oder nicht jahrelang demselben akademischen Job nachzugehen, hat viele Facetten. Die erste und wichtigste ist, dass wir beide unglaublich großzügige Eltern und Verwandte haben. Wir haben beide ein Studium finanziert bekommen, dazu teilweise auch noch die Mieten als Studenten und wirklich großzügige Geschenke zu Weihnachten, Geburtstagen oder auch einfach sonst einmal. Dafür sind wir unendlich dankbar, denn das Glück, in Familien aufzuwachsen, die uns finanziell und emotional mehr als nur eine stabile Basis gegeben haben, ist weltweit sehr selten. Auch aus diesem Grund schreiben wir über unsere Erlebnisse – damit alle, die es gerne möchten, aber aus verschiedenen Gründen nicht können oder wollen, diese ein bisschen miterleben. Wenn wir das alles erleben dürfen und können, dann möchten wir es so vielen Menschen wie möglich auch zur Verfügung stellen. Dieser familiäre Grundstock hat es uns dann ermöglicht, zu sparen und wir sind während unserer Studien beide auch Studentenjobs nachgegangen. Und schließlich haben wir beide gut bezahlte Jobs (für den sozialen Bereich 😉) gehabt, in denen wir einige Jahre lang gearbeitet haben. Auch wenn wir natürlich viel Geld für die Miete in München und Umgebung ausgegeben haben, pflegen wir außer unseren Reisen und gutem, ökologischem Essen keine kostspieligen Hobbies (okay, das mit dem Tauchen hätten wir nicht anfangen sollen, wenn es danach geht). Sagen wir mal, wie haben keinen kostspieligen alltäglichen Lebensstil – keine unnötigen Amazonbestellungen, kein Schmuck, keine schicken Autos, keine technischen Gadgets, wenig Klamotten und Schuhe, kaum Deko – wobei ich finde, wir haben eh unendlich Kram! – und vermutlich vergesse ich all die Dinge, an die wir einfach nie denken würden, sie zu kaufen. Also zum Beispiel auch kein Haus, kein Grundstück, kein Darlehen dafür und keine finanziellen familiären Verpflichtungen. Das Allerwichtigste finde ich, dass jeder das für sich macht/kauft/tut, was zu ihm passt. Bei uns sind es eben die Reisen, dafür aber viele andere Sachen nicht, die für andere Menschen wichtig sind. Bei all unseren Jobs achten wir darauf, dass wir genug verdienen, um unseren Alltag und die Zeiten der Reisen finanzieren können und nebenher noch etwas für die Rente zur Seite zu legen. Also nein, wir sind nicht die Mit-Null-Euro-Um-Die-Welt-Backpacker. So mutig (?) wären wir nie und wollen es auch nicht sein. Vielleicht ist damit das Geheimnis um unsere Weltreise-Geldbeutel gelüftet 😊. Da ich völlig vom Thema abgekommen bin, werde ich über die 22 gemütlichen Schweizer Milchkühe, das kleine Kälbchen und die Tonnen an Käse aus Miraculix Kupferkessel das nächste Mal schreiben! Ich freue mich, wenn ihr dabei seid!
von Hanni 21. September 2025
Kurz vor der Alp-Abfahrt
von Hanni 7. Januar 2024
Ein Update
von Glücksbärchis 29. Juli 2023
Wenn ein Paradies die Erwartungen übertrifft
von Hanni 19. Juli 2023
Zwillinge, Dusty und Biertasting
von Eddy 17. Juli 2023
aus Sicht von Eddy
von Hanni 16. Juli 2023
Hawke's Bay, Rotorua, Bay of Plenty
von Hanni 5. Juni 2023
Wwoofen auf zwei Inseln
von Hanni 28. Mai 2023
wenn man sich am anderen Ende der Welt trifft
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